Elterliche Sorge in der Schweiz: ein Leitfaden zu Prinzipien und Ausnahmen

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Im Bereich des Schweizer Familienrechts sind die Fragen der elterlichen Sorge und der Kinderbetreuung von zentraler Bedeutung und beeinflussen die Familienstruktur und die Entwicklung der Kinder direkt. Dieser Artikel zielt darauf ab, die Regeln, die die Zuweisung der elterlichen Sorge sowie die verschiedenen Betreuungsformen leiten, zu erläutern, insbesondere gestützt auf die Bestimmungen der Artikel 298b und 301 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches.

Geteilte elterliche Sorge: Die geltende Norm

Die Schweizer Gesetzgebung fördert die geteilte elterliche Sorge, was ein modernes Verständnis der Co-Elternschaft widerspiegelt, in der beide Elternteile trotz Trennung oder Scheidung aktiv an der Erziehung und Entwicklung ihres Kindes beteiligt sind. Diese gesetzgeberische Ausrichtung zielt darauf ab, die familiären Bindungen zu bewahren und das Gleichgewicht sowie das Wohl des Kindes zu fördern und unterstreicht die entscheidende Rolle des elterlichen Engagements.

Exklusive elterliche Sorge: Eine aussergewöhnliche Massnahme

In bestimmten spezifischen Fällen kann es notwendig sein, von diesem Modell abzuweichen. Gemäss Artikel 298b Abs. 2 des Zivilgesetzbuches ist es möglich, die elterliche Sorge ausschliesslich einem Elternteil zu gewähren. Diese Entscheidung bleibt jedoch aussergewöhnlich, vorstellbar nur in Situationen, in denen ernsthafte und anhaltende Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eltern das Wohlergehen des Kindes negativ beeinflussen.

Um eine solche Massnahme zu ergreifen, müssen die elterlichen Konflikte die Entwicklung des Kindes erheblich beeinträchtigen, und die Gewährung der exklusiven elterlichen Sorge muss diese Situation deutlich verbessern. Diese Massnahme wird nur als eine vorübergehende Lösung in Reaktion auf Konflikte, die das Wohl des Kindes gefährden, basierend auf konkreten Beweisen und einem nachgewiesenen Risiko, betrachtet.

Wechselnde Betreuung: Bedingt durch die geteilte elterliche Sorge

Bezüglich der Kinderbetreuung stellt Artikel 298b Abs. 3ter des Zivilgesetzbuches fest, dass abwechselnde Betreuung nur im Rahmen einer geteilten elterlichen Sorge möglich ist. Mit anderen Worten, die gemeinsame Betreuung ist nicht vorstellbar, wenn die elterliche Sorge ausschliesslich von einem Elternteil gehalten wird. Diese Bestimmung gewährleistet die Konsistenz zwischen der Entscheidungsmacht und der täglichen Beteiligung im Leben des Kindes.

Unterscheidung zwischen elterlicher Sorge und Betreuung

Es ist wichtig zu beachten, dass elterliche Sorge und Betreuung unterschiedliche Aspekte ansprechen. Die elterliche Sorge bezieht sich auf wichtige Entscheidungen bezüglich des Kindes, wie seine Erziehung, seine Gesundheit und seine Lebensentscheidungen, während die Betreuung sich auf die tägliche Organisation und das gemeinsame Leben mit dem Kind bezieht. Diese Unterscheidung bedeutet, dass Entscheidungen in einem Bereich nicht automatisch den anderen beeinflussen sollten, obwohl sie inhärent miteinander verbunden sind.