Die Auseinandersetzung um das Sorgerecht und mögliche Lösungen

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In der Schweiz endet etwa jede zehnte Trennung mit einem rechtlichen Kampf um das Sorgerecht, der Anwälte, Experten und Gerichte mobilisiert und zu einem Anstieg der Kindesschutzmassnahmen führt.

Seit der Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge im Jahr 2015 ist die Anzahl der Schutzmassnahmen deutlich gestiegen. Im Jahr 2022 wurden 17.769 Massnahmen ergriffen, fast ein Drittel mehr als im Jahr 2015, was das Amt für Kinder- und Erwachsenenschutz (KESB) vor grosse Herausforderungen stellt. Hochgradig konfliktreiche Trennungen machen fast die Hälfte aller Kindesschutzmassnahmen in der Schweiz aus und belasten die Ressourcen der Behörde stark.

Obwohl die gemeinsame elterliche Sorge für viele Paare positive Auswirkungen hat, führt sie für bereits stark zerstrittene Paare zu neuen Konflikten. Die Notwendigkeit gemeinsamer Entscheidungen kann tägliche Auseinandersetzungen provozieren und Konflikte verschärfen.

Gerichtliche Auseinandersetzungen verringern die Chancen für Kinder, regelmässigen Kontakt zum nicht betreuenden Elternteil zu haben. Politische Interventionen sind daher erforderlich, um Verfahren zu verbessern und die Not der Kinder zu minimieren.

Ein entscheidender Aspekt des Konflikts ist die Trennung des Kindes von einem seiner Eltern, oft dem Vater. Eine negative Beeinflussung oder Expertise kann zu einer langen Unterbrechung des Kontakts führen.

Ein neues Modell zur Konfliktlösung ist die obligatorische Mediation, die eine frühzeitige Intervention zur Verringerung der Entfremdung fördert. Pilotprojekte in Bern und im Kanton Waadt zeigen vielversprechende Ergebnisse.

In der Schweiz können Gerichte nicht verpflichten, dass Paare vor der Scheidung an einer Mediation teilnehmen. Das Bundesamt für Justiz unterstützt jedoch Pilotprojekte, die die Wirksamkeit der Mediation bei der Unterstützung von Eltern zeigen, eine Einigung im Interesse des Kindes zu finden. Angesichts der schwierigen Realität hoch konfliktbeladener Trennungen sind innovative Lösungen erforderlich, um das Wohlergehen der Kinder zu schützen und ihre Beziehung zu beiden Eltern zu fördern, wobei die Mediation eine entscheidende Rolle spielt.